Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, aber nur wenige sind so gut wissenschaftlich untersucht, dass sie von Fachleuten als wirkungsvoll eingestuft werden können. Aber auch bei diesen wirkungsvollen Verfahren gibt es keine Sicherheit, dass sie auch in jedem Einzelfall hilfreich sind.

Gegenwärtig werden folgende Therapieverfahren zur Behandlung der Kernsymptome von ADHS empfohlen:

  • Information und Beratung
  • Verhaltenstherapie
  • Medikamentöse Therapie
  • Ergänzende Maßnahmen

Für die verschiedenen als wirkungsvoll bewerteten Therapieverfahren gibt es in den Leitlinien auch Empfehlungen dazu, welche Therapien wann durchgeführt werden sollten.
Viele Kinder und Jugendliche brauchen ergänzend zu den Therapien, die zur Behandlung der ADHS durchgeführt werden, noch weitere Therapien für andere Probleme.
Diese Therapien werden von verschiedenen Ärzten und anderen Therapeuten angeboten. Wir geben Ihnen Hinweise darauf, wer Therapien anbietet.
Neben diesen Therapien gibt es aber auch noch weitere Hilfen für Kinder und Jugendliche mit ADHS sowie ihre Familien, die wir auf einer eigenen Seite beschreiben.

Die nach wissenschaftlichen Kriterien wirkungsvollen Therapien werden von Fachverbänden in Leitlinien empfohlen. Die bisher existierenden Leitlinien für die Diagnostik und Therapie von ADHS bei Kindern und Jugendlichen wurden im Juni 2018 durch die neue interdisziplinäre evidenz- und konsensbasierte (S3) Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend und Erwachsenenalter" der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AMWF) ersetzt.

Information und Beratung

Grundlage jeder Behandlung ist die Beratung von Eltern und Kind. In der Beratung werden das Störungsbild ADHS und die daraus im Alltag entstehenden Probleme erläutert. Unter Einbezug der persönlichen Erfahrungen von Kind und Eltern werden auch Behandlungsmöglichkeiten gezeigt. Sowohl in der Diagnostik als auch in der späteren Behandlung ist es hilfreich Erzieher und Lehrer des Kindes mit einzubeziehen. Ein besseres und gemeinsames Verständnis vom Störungsbild soll den Umgang mit den aus der ADHS resultierenden Problemen erleichtern und vermitteln, welche Strategien im Alltag hilfreich sind. Je älter die Kinder und Jugendlichen sind, desto stärker müssen sie selbst mit einbezogen werden.

Verhaltenstherapie

Unter dem Begriff der Verhaltenstherapie werden verschiedene psychologische Behandlungsformen zusammengefasst:

Interventionen in der Familie zielen auf die Verminderung von hyperaktivem, impulsivem und unaufmerksamem sowie oppositionellem und aggressivem Verhalten des Kindes oder Jugendlichen hauptsächlich in der Familie ab. Zu diesem Zweck arbeitet die Therapeutin / der Therapeut intensiv mit den Eltern und dem Patienten zusammen. Die ambulante Therapie erfolgt in der Regel ein Mal pro Woche und kann über viele Monate andauern.

Zusammen mit den Eltern und dem Patienten arbeitet die Therapeutin / der Therapeut die Situationen heraus, die in der Familie als problematisch erlebt werden und entwickelt konkrete Lösungsstrategien, welche die Familie zwischen den Behandlungsstunden versucht umzusetzen. Dabei werden die Prinzipien, die auf der Seite über die Selbsthilfemöglichkeiten von Eltern erläutert werden, genauer ausgearbeitet.

Bei Familieninterventionen werden in der Regel nicht nur die Verhaltensprobleme des Kindes in der Familie, sondern auch Probleme und Belastungen anderer Familienmitglieder angesprochen. Eine Verminderung der Probleme kann möglicherweise auch zur Verbesserung der ADHS-Symptome des Kindes in der Familie beitragen.

Je jünger die Kinder sind, desto mehr steht die Arbeit mit den Eltern im Vordergrund. Bei älteren Kindern und Jugendlichen ist die Einbeziehung des Patienten von großer Bedeutung für einen Erfolg der Therapie.

Familieninterventionen können in Form von Elterntrainings sowohl einzeln als auch in der Gruppe durchgeführt werden.

Die Wirksamkeit solcher Familieninterventionen und Elterntrainings zur Behandlung der ADHS ist in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien belegt worden.

Schulinterventionen

Interventionen im Kindergarten oder in der Schule zielen auf eine Verminderung von hyperaktivem, impulsivem und unaufmerksamem sowie oppositionellem und aggressivem Verhalten des Kindes oder Jugendlichen hauptsächlich im Kindergarten oder in der Schule ab. Dazu ist die Einbeziehung von Erzieherinnen/ Erziehern bzw. Lehrerinnen/ Lehrern notwendig.

Gemeinsam mit den Pädagoginnen/ Pädagogen erarbeitet die Therapeutin/ der Therapeut konkrete Verhaltensziele (z.B. soll im Unterricht auf seinem Platz sitzen bleiben). Zusätzlich werden gemeinsam Strategien erarbeitet, mit denen das Ziel erreicht werden soll. Hierzu zählen konkrete Hilfestellungen im Unterricht (z.B. optimale Wahl des Platzes für die Schülerin/den Schüler), positive Konsequenzen bei Erreichung eines Ziels sowie milde negative Konsequenzen, wenn das Kind das Ziel nicht erreicht.

Die Wirksamkeit solcher Interventionen ist in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien gut belegt worden.

Häufig werden diese Interventionen mit Patienteninterventionen kombiniert.

Die Therapie des Kindes oder Jugendlichen selbst zielt darauf ab, die ADHS-Symptome sowohl in der Therapiesitzung als auch im natürlichen Umfeld des Patienten zu vermindern. Für verschiedene Altersgruppen wurden hierzu unterschiedliche Verfahren entwickelt:

  • Im Kindergarten- und Einschulungsalter kann die Therapeutin/ der Therapeut dem Kind helfen zunächst in der Therapie ein intensives und ausdauerndes Spielverhalten aufzubauen. Ein solches intensives und ausdauerndes Spiel ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung eines konzentrierten Arbeitsverhaltens bei älteren Kindern. Nachdem ein solches Spielverhalten in der Therapiesituation entwickelt worden ist, kann der Therapeut gemeinsam mit den Eltern oder den Erziehern im Kindergarten daran arbeiten, dass das Kind dieses Verhalten auch auf das natürliche Umfeld überträgt.
  • Ab dem Schulalter kann die Therapeutin/ der Therapeut mit dem Kind zunächst in der Therapiesituation ein ausdauerndes und intensives Arbeitsverhalten einüben. Dabei werden verschiedene Verfahren eingesetzt: sogenannte Selbstinstruktions- und Konzentrationstrainings, Belohnungsmethoden, Trainings zur Verbesserung der Selbstorganisation und allgemeiner organisationaler Fähigkeiten sowie Trainings zur Verbesserung spezieller Fähigkeiten, wie z.B, der Merkfähigkeit. Auch bei diesem Training muss darauf geachtet werden, dass das Kind die verbesserten Fähigkeiten auch im Alltag einsetzt.
  • Bei älteren Kindern und Jugendlichen arbeitet die Therapeutin/ der Therapeut zusätzlich daran, mit dem Patienten eigene Ziele zu definieren (z.B. die Versetzung zu schaffen, mit den Eltern besser auszukommen) und hilft ihm, einzelne Schritte zur Umsetzung dieser Ziele festzulegen und auch durchzuführen.
  • Als weiteres Therapieverfahren wurde in den letzten Jahren das Neurofeedback entwickelt. Dabei lernt das Kind an einem Computer seine Hirnströme, die über ein EEG abgeleitet werden, zu beeinflussen. Die aktuelle Leitlinie empfiehlt diese Therapie jedoch nur mit großer Zurückhaltung, weil die wissenschaftlichen Untersuchungen bisher nur geringe Effekte zeigen. Vor allem sollte eine solche Behandlung nicht dazu führen, dass andere, möglicherweise effektivere Maßnahmen (Verhaltenstherapie, medikamentöse Therapie) nicht oder erst verzögert durchgeführt werden.

Diese Therapien des Kindes oder Jugendlichen werden selten isoliert durchgeführt, da sich andere Verfahren - Schulinterventionen und Familieninterventionen - bislang besser bewährt haben. Die direkte Therapie des Kindes oder Jugendlichen selbst kann aber eine wichtige Komponente in einem umfassenden Therapieprogramm darstellen.

Häufig werden diese verschiedenen Behandlungsformen miteinander kombiniert, um die Effekte der Therapie in den verschiedenen Lebensbereichen des Patienten (Schule, Familie, Freizeitbereich) zu optimieren.

Medikamentöse Therapie

Wir möchten mit Ihnen die wichtigsten Fragen bei der medikamentösen Behandlung einer ADHS besprechen.

Die medikamentöse Therapie von Kindern mit ADHS kann eine wichtige Ergänzung zu den anderen Behandlungsformen darstellen; in manchen Fällen ist sie sogar eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die anderen Behandlungsformen erfolgreich eingesetzt werden können. Manche Kinder kommen mit den Medikamenten so gut zurecht, dass neben einer regelmäßigen Kontrolle und Beratung der Eltern keine weiteren intensiven Maßnahmen notwendig sind.

Die Behandlungsleitlinien der Fachgesellschaften empfehlen einen medikamentösen Behandlungsversuch bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS ab dem Alter von sechs Jahren nach einer umfassenden Information und Beratung unter drei Bedingungen:

  • bei einer stark ausgeprägten ADHS-Symptomatik, welche die schulische Leistungsfähigkeit oder die Freizeitaktivitäten des Kindes oder Jugendlichen oder das Zusammenleben in der Schule, in der Familie oder mit Freunden erheblich beeinträchtigt.
  • bei mittelgradig ausgeprägter ADHS wird nach einer umfassenden Information und Beratung empfohlen, entweder eine medikamentöse Therapie oder eine Verhaltenstherapie durchzuführen.
  • wenn im Rahmen einer Verhaltenstherapie die ADHS-Symptomatik sich nicht hinreichend verbessern lässt und beeinträchtigende ADHS-Symptome weiterhin bestehen.

In einem medikamentösen Behandlungsversuch wird im Einzelfall überprüft, ob das Medikament wirkungsvoll ist, ob Nebenwirkungen auftreten und welches Medikament in welcher Dosierung optimal ist.

Für die Behandlung von Kindern vor dem Alter von sechs Jahren sind diese Medikamente nicht zugelassen. Sie können jedoch in Ausnahmefällen dennoch indiziert sein, wenn alle anderen therapeutischen Maßnahmen ausgeschöpft worden sind.

In Einzelfällen kann der Arzt von diesen Empfehlungen abweichen, wenn beispielsweise eine entsprechende Therapieform vor Ort nicht zur Verfügung steht.

Prinzipiell muss jede medikamentöse Behandlung im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie erfolgen, d.h. stets auch Psychoedukation der Eltern sowie des Kindes in altersangemessener Form beinhalten.

Die Ursachen von ADHS sind verschiedenartig und bisher noch nicht vollständig geklärt.

Sicher ist, dass dabei viele sich gegenseitig beeinflussende Faktoren beteiligt sind. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang sicher die Neurotransmitter (Botenstoffe im Gehirn) Dopamin und Noradrenalin. Hier setzen die Medikamente an, die zur Behandlung der ADHS eingesetzt werden.

Am häufigsten werden so genannte Psychostimulanzien in der medikamentösen Therapie von ADHS eingesetzt, vor allem Methylphenidat und Amphetamine. Methylphenidat-Präparate sind in Deutschland schon seit langer Zeit (1954) zugelassen. Bei den Methylphenidat-Medikamenten unterscheidet man zwischen Medikamenten mit kurzer Tageswirkdauer (Handelsnamen: Medikinet®, Ritalin®, Methylphenidat TAD®, Methylphenidat ratiopharm®, Methylphenidat Hexal®) und Medikamenten mit längerer Tageswirkdauer (Handelsnamen: Concerta®, Equasym®retard, Medikinet®retard, Medikinet®adult, Ritalin®LA, Ritalin® adult).

Inzwischen wurden in Deutschland auch Dexamphetamin-Fertigpräparate zur Behandlung der ADHS zugelassen (Handelsnamen: Attentin® und Elvanse®). Diese Präparate zählen zu den Medikamenten mit einer längeren Tageswirkdauer. Die Anwendung darf jedoch laut Fachinformation nur erfolgen, wenn nicht-medikamentöse therapeutische Maßnahmen, wie Beratung und Verhaltenstherapie sowie eine ausreichend lange medikamentöse Behandlung mit Methlyphenidat (bei Elvanse®) bzw. mit Methylphenidat und Atomoxetin (Attentin®) nicht ausreichend wirksam sind. Diese Medikamente können nur auf einem speziellen Rezept verordnet werden.

Eine weitere zur Behandlung von ADHS in Deutschland zugelassene Substanz ist Atomoxetin (Handelsname: Strattera®). Atomoxetin gehört zu den Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern und wirkt meist über den ganzen Tag. Dieses Medikament wird auf einem normalen Rezept verordnet. 

Eine dritte zugelassene Substanz ist Guanfacin (Handelsname: Intuniv®), das ebenfalls auf normalem Rezept verordnet wird und meist über den ganzen Tag hinweg wirkt.

Daneben gibt es einige andere Medikamente, die in Einzelfällen auch zur Behandlung von ADHS eingesetzt werden können, für die es aber in Deutschland keine Zulassung für die Behandlung von ADHS gibt. In einem individuellen Heilversuch kann der Arzt solche Medikamente verordnen, die für ADHS nicht oder nur für einen anderen Altersbereich (laut Fachinformation = Beipackzettel) zugelassen sind.

Die Wirkung der Medikamente, die Methylphenidat oder Dexamphetamin enthalten, tritt etwa 30 bis 45 Minuten nach Einnahme der Tabletten oder Kapseln ein. Bei den Medikamenten mit kurzer Wirkdauer hält sie etwa 3-4 Stunden an, dann nimmt sie deutlich ab. Das reicht bei vielen Kindern für den Schulvormittag. Wenn die Schule länger dauert, kann eine zweite Einnahme am späten Vormittag hilfreich sein. Bei ausgeprägten ADHS-Symptomen am Nachmittag kann auch eine erneute Einnahme um die Mittagszeit oder am Nachmittag notwendig sein.

Anstatt einer Mehrfacheinnahme von Medikamenten mit kurzer Wirkdauer ist es meist sinnvoll ein Medikament mit längerer Wirkdauer zu geben.. Die längere Wirkdauer wird erzielt, indem der Wirkstoff in den Tabletten oder Kapseln im Körper verzögert freigesetzt wird. Es gibt Medikamente mit längerer Wirkdauer von verschiedenen Firmen. Diese unterscheiden sich in der Art der Freisetzung. Der Arzt muss im Einzelfall entscheiden, welches Medikament mit welcher Freisetzung für die Situation des Patienten am besten passt.

Psychostimulanzien machen nicht körperlich abhängig, werden aber auf einem speziellen Rezept verordnet, um einen Missbrauch insbesondere durch Andere auszuschließen.

Die Effekte von Methylphenidat und Dexamphetamin sind bei Kindern ab dem Alter von sechs Jahren sehr gut untersucht worden. Sie führen bei mindestens 70% der Kinder mit ausgeprägter ADHS zu einer deutlichen Verminderung dieser Auffälligkeiten. Durch die Medikamente verbessert sich im Allgemeinen die Konzentrationsfähigkeit und das hyperaktive, störende, unangemessene und impulsive Verhalten des Kindes wird vermindert.

Allerdings hält die Wirkung der Medikamente nur solange an, wie das Medikament gegeben wird. Deshalb ist in der Regel eine mehrjährige medikamentöse Behandlung notwendig.

Kinder mit einer leichten ADHS benötigen meist keine medikamentöse Behandlung neben den pädagogischen und psychologischen Maßnahmen.

Bei Atomoxetin (Strattera®) tritt die Wirkung nicht schon am ersten Tag ein, sondern meist erst nach etwa vier - sechs Wochen, bei Guanfacin (Intuniv®) meist erst nach einigen Tagen ein. Auch bei diesen Medikamenten muss in einem Behandlungsversuch langsam aufdosiert werden. Wirksamkeit zeigen Atomoxetin und Guanfacin meist über den ganzen Tag. Beide müssen  nicht auf einem besonderen Rezept verordnet werden, weil keine Missbrauchsgefahr besteht. Auch bei diesen Medikamenten ist eine Dauertherapie notwendig.

Die deutschen Leitlinien für die medikamentöse Behandlung empfehlen im Allgemeinen Psychostimulanzien als Mittel der ersten Wahl; aber auch Atomoxetin kann unter bestimmten Bedingungen als Mittel der ersten Wahl eingesetzt werden. Laut Fachinformationen können Amphetamin-Präparate dann eingesetzt werden, wenn eine Methylphenidat-Behandlung (bei Attentin auch zusätzlich eine Atomoxetin-Behandlung) nicht hinreichend wirkungsvoll war. Für alle Medikamente gilt, dass Verhalten, Konzentration und Leistungsfähigkeit in behandlungsfreien Zeiten dokumentiert werden soll.

Die Nebenwirkungen der zugelassenen Medikamente sind in der überwiegenden Zahl der Fälle gering. Sie treten meist nur vorübergehend auf und verschwinden fast immer mit Absetzen der Medikation. Deshalb kann ein Behandlungsversuch zur Überprüfung der Wirksamkeit einer Behandlung mit diesen Medikamenten fast immer ohne größeres Risiko erfolgen.

Die häufigsten Nebenwirkungen bei den Stimulanzien sind eine Verminderung des Appetits und Schlafstörungen. Manchmal treten auch eine Weinerlichkeit oder Zuckungen (Tics) oder auch andere psychische Auffälligkeiten auf. Blutdruck und Herzfrequenz können unter Behandlung geringfügig erhöht sein. Atomoxetin macht ebenfalls Appetitmangel, kann Blutdruck und Puls erhöhen und gelegentlich müde machen. Guanfacin verringert den Appetit nicht, kann aber zu Blutdrucksenkung und Müdigkeit führen.

In der Regel sind diese Nebenwirkungen aber nicht stark oder sie lassen sich durch eine Verminderung der Dosierung verringern. Dennoch ist eine regelmäßige Kontrolle sowohl beim Behandlungsversuch als auch unter der Dauertherapie notwendig.

Auch bei der Langzeiteinnahme gibt es selten schwerwiegende Nebenwirkungen. Körpergewicht und Körpergröße müssen bei einer Dauertherapie vom Arzt regelmäßig kontrolliert werden, weil die Entwicklung des Gewichtes und der Körpergröße beeinträchtigt werden können. Außerdem sollen Blutdruck und Puls regelmäßig kontrolliert werden.

Die medikamentöse Behandlung ist zwar bei der Mehrzahl der Kinder mit ausgeprägter ADHS wirkungsvoll, jedoch gibt es auch Kinder, die nicht von einer medikamentösen Behandlung profitieren und unerwünschte Nebenwirkungen entwickeln können.

Eine genaue Überprüfung der Wirksamkeit und möglicher Nebenwirkungen in einem kontrollierten Behandlungsversuch ist daher unbedingt erforderlich. Die medikamentöse Behandlung lässt sich nur dann rechtfertigen, wenn Verbesserungen eindeutig nachgewiesen werden können.

Darüber hinaus reagieren Kinder sehr unterschiedlich auf die Medikamente. Bei manchen Kindern genügen sehr niedrige Dosierungen, andere benötigen dagegen höhere Dosen. Daher muss jedes Kind auf seine individuelle Dosis eingestellt werden.

Für eine systematische Überprüfung der Wirksamkeit ist die Zusammenarbeit mit der Klassenlehrerin besonders hilfreich, weil durch die Behandlung ADHS-Symptome meist auch in der Schule vermindert werden. Eine Möglichkeit ist, dass die Lehrerin das Verhalten des Kindes jeweils für eine Woche anhand eines kurzen Fragebogens einschätzt. Wenn sich dann diese Beurteilungen bei Medikamenteneinnahme deutlich verändern, dann wirkt das Medikament auf das Verhalten in der Schule. Auf diese Weise kann auch die genaue Dosierung ermittelt werden. Eine solche Zusammenarbeit setzt aber ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Lehrern voraus.

Da sich bei Psychostimulanzien die Wirkung schon mit der ersten Gabe einstellen kann (abhängig von der Dosis), kann der Behandlungsversuch und die optimale Dosiseinstellung innerhalb weniger Wochen erfolgen. Bei Atomoxetin benötigt der Behandlungsversuch mindestens sechs bis acht Wochen, da sich die volle Wirkung erst nach dieser Zeit entfaltet. Bei Guanfacin sind 2-3 Wochen Beobachtungszeit erforderlich.

Wenn sich die medikamentöse Behandlung als wirkungsvoll erwiesen hat, dann sollte die Behandlung zunächst für einen Zeitraum von sechs bis 12 Monaten als Dauertherapie durchgeführt werden. In dieser Zeit sind regelmäßige Kontrollen und Beratungsgespräche in jedem Fall nötig. Danach sollte die Notwendigkeit zur Weiterführung der Behandlung in einer behandlungsfreien Zeit überprüft werden.

Die medikamentöse Behandlung ist nach Feststellung der Wirksamkeit meist lange notwendig. Die Einnahme der Medikamente ist oft auch während der Ferienzeit und an Wochenenden sinnvoll.

In dieser Zeit sind regelmäßige Kontrollen durch den Arzt und Beratungsgespräche nötig. In diesen Kontrolluntersuchungen überprüft der Arzt die weitere Wirksamkeit der medikamentösen Therapie und klärt mögliche Nebenwirkungen ab und passt bei Bedarf die Medikation an.

Obwohl es auch bei der Langzeiteinnahme selten gravierende Nebenwirkungen gibt, kontrolliert der Arzt Körpergewicht und Körpergröße sowie Blutdruck und Puls bei jeder Vorstellung.

Jeweils nach sechs bis zwölf Monaten sollte die Notwendigkeit zur Weiterführung der Behandlung in einem behandlungsfreien Intervall überprüft werden. Obwohl viele Kinder eine mehrjährige Behandlung benötigen, kann die Besserung der Symptomatik nach einer längeren Behandlungszeit auch nach Absetzen der Therapie aufrechterhalten werden.

Mit diesen allgemeinen Hinweisen lassen sich allerdings nicht alle Besonderheiten in jedem Einzelfall berücksichtigen. Es kann daher durchaus vorkommen, dass Ihr Arzt aus gutem Grund eine andere als die hier beschriebene Vorgehensweise vorschlägt. Sprechen Sie Ihren Arzt an, damit er Ihnen die Gründe für ein anderes Vorgehen erklären kann.

Weitere wichtige Fragen zur Therapie von ADHS

Zur Behandlung der ADHS-Symptome empfehlen die Behandlungsleitlinien der Fachgesellschaften folgende Therapien:

  • Die Beratung von Eltern und Kind ist die Grundlage jeder weiteren Behandlungsmaßnahme und sollte daher bei allen Patienten mit ADHS durchgeführt werden.
  • Bei Kindern ab dem Alter von sechs Jahren können im Anschluss an eine grundlegende Beratung eine medikamentöse Therapie oder eine Verhaltenstherapie begonnen werden. In Abhängigkeit von der Stärke der ADHS-Symptomatik werden empfohlen:
  • Eine medikamentöse Therapie bei einer stark oder mittelgradig ausgeprägten ADHS-Symptomatik, welche die schulische Leistungsfähigkeit oder die Freizeitaktivitäten des Kindes oder Jugendlichen oder das Zusammenleben in der Schule, in der Familie oder mit Freunden erheblich beeinträchtigt;
  • Eine Verhaltenstherapie bei einer mittelgradig oder weniger starken Beeinträchtigung der genannten Bereiche.
  • Wenn sich die ADHS-Symptomatik durch die medikamentöse Therapie oder die Verhaltenstherapie nicht hinreichend vermindern lässt, dann wird eine Kombination beider Verfahren empfohlen.
  • Bei Kindern vor dem Alter von sechs Jahren sollten zunächst verhaltenstherapeutische Methoden und andere psychosoziale Maßnahmen (z.B. pädagogische Unterstützung der Eltern) durchgeführt werden, bevor eine medikamentöse Therapie in Erwägung gezogen wird. Bei Kindern unter drei Jahren soll keine medikamentöse Therapie durchgeführt werden

Zur Behandlung anderer Auffälligkeiten und Probleme können zusätzliche Therapien und Maßnahmen notwendig sein.

Kinder und Jugendliche mit ADHS haben häufig zusätzliche Probleme und psychische Störungen. Mitunter vermindern sich diese zusätzlichen Probleme durch die Behandlung der ADHS-Symptome. Oppositionelles und aggressives Verhalten können sich durch die Therapie der ADHS vermindern, ebenso wie emotionale Belastungen. Die Beziehungen in der Familie, in der Schule und zu Gleichaltrigen können sich verbessern und mitunter vermindern sich auch die Leistungsprobleme der Kinder und Jugendlichen.

Andere Kinder benötigen ergänzende Therapien und andere Hilfen zur Verminderung dieser zusätzlichen Probleme:

  • Zur Behandlung anderer psychischer Auffälligkeiten können weitere psychotherapeutische oder medikamentöse Behandlungen notwendig werden.
  • Zur Behandlung von Störungen der Sprache oder Bewegung oder der Wahrnehmung können Sprachtherapie, Ergotherapie oder psychomotorische Therapie notwendig sein.
  • Bei umschriebenen Störungen des Lesens, Rechtschreibens oder Rechnens, die nicht auf eine allgemeine Intelligenzminderung zurückzuführen sind, können spezielle Fördermaßnahmen notwendig sein.
  • Bei einer sehr stark ausgeprägten Gesamtproblematik, die sich durch eine ambulante Therapie nicht hinreichend verbessern lässt, kann auch eine stationäre Behandlung in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik hilfreich sein.

Manchmal benötigen auch die Eltern selbst eine Therapie aufgrund eigener psychischer Störungen oder Belastungen oder wegen ausgeprägter Probleme in der Partnerschaft.

Mitunter sind Familien so überlastet, dass sie über das Jugendamt eine Hilfe zur Erziehung brauchen.

Folgende Berufsgruppen und Einrichtungen bieten Therapien für Kinder und Jugendliche mit ADHS an:

  • Kinder- und Jugendärzte können bei entsprechender Qualifikation die grundlegende Beratung und Psychoedukation der Eltern, des Patienten und weiterer Bezugspersonen sowie die medikamentösen Behandlungsversuche und Dosisoptimierungen anbieten und führen auch die medikamentöse Dauertherapie mit Verlaufskontrollen durch. Sie können gegebenenfalls notwendige zusätzliche Therapien, wie Ergo- Logo- (Sprach-) oder Psychotherapie verordnen.
  • Kinder- und Jugendpsychiater können in der Regel ein umfassendes Therapieangebot machen, das die grundlegende Beratung und Psychoedukation der Eltern, des Patienten und weiterer Bezugspersonen sowie die medikamentösen Behandlungsversuche und Dosisoptimierungen und die medikamentöse Dauertherapie mit Verlaufskontrollen umfasst. Sie können auch weitere Psycho- und Pharmakotherapie für begleitende psychische Störungen anbieten und notwendige zusätzliche Therapien, wie Logo- (Sprach-) therapie oder Ergotherapie verschreiben.
  • Approbierte Psychotherapeuten: Sowohl Psychologische Psychotherapeuten, Ärztliche Psychotherapeuten als auch Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten können eine Ausbildung in Verhaltenstherapie oder in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie haben. Die Leitlinien der Fachgesellschaften empfehlen Verhaltenstherapie zur Behandlung der Kernsymptomatik von ADHS. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie kann nach den Leitlinien bei zusätzlichen emotionalen Störungen ebenfalls angezeigt sein. Bei den Psychologischen Psychotherapeuten und den ärztlichen Psychotherapeuten sollten die Eltern erfragen, ob diese eine zusätzliche Qualifikation für Kinder- und Jugendlichentherapie erworben haben. Bei Psychologischen Psychotherapeuten sollte zusätzlich eine körperlich-neurologische Untersuchung durch entsprechende Ärzte erfolgen.
  • Beratungsstellen: Es gibt viele verschiedene Beratungsstellen, z.B. schulpsychologische Dienste, Erziehungsberatungsstellen, Frühförderzentren, in denen Beratung und Psychoedukation und auch psychologische und ergänzende Therapien angeboten werden kann.
  • Kinder- und jugendpsychiatrische Kliniken bieten sowohl eine umfassende ambulante Therapie als auch stationäre und teilstationäre Therapien an, die in Einzelfällen notwendig sein kann. 
  • Sozialpädiatrische Zentren bieten meist die grundlegende Beratung und Psychoedukation der Eltern, des Patienten und weiterer Bezugspersonen sowie die medikamentösen Behandlungsversuche und Dosisoptimierungen an und führen auch die medikamentöse Dauertherapie mit Verlaufskontrollen durch. Sie können notwendige zusätzliche Therapien, wie Logo- (Sprach-) therapie oder Ergotherapie verordnen und zum Teil in ihren Teams selbst durchführen.
  • Logo- (Sprach-) und Ergotherapeuten können auf ärztliches Rezept entsprechende Zusatztherapien anbieten. Mototherapie ist keine Kassenleistung, doch wird von verschiedenen Gruppen beispielsweise als "Psychomotorik" oder "bewegungsorientiertes soziales Gruppentraining" mit unterschiedlichen Finanzierungsmodellen angeboten.
  • Lerntherapeuten können Förderprogramme bei umschriebenen Schulleistungsstörungen, z.B. im Lesen, Schreiben oder Rechnen anbieten. Diese Therapien werden in der Regel nicht von der Krankenkasse finanziert.

Auf der Website des zentralen adhs-netzes finden Sie eine Auflistung aller regionalen Netze, in denen sich die verschiedenen Therapeuten zusammengeschlossen haben.

Die Therapien von Ärzten und approbierten Psychotherapeuten werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. In einzelnen Fällen bieten Ärzte auch so genannte individuelle Gesundheitsleistungen an, die die Versicherten selbst finanzieren müssen.

Psychotherapien müssen vor Behandlungsbeginn von den Krankenkassen bewilligt werden, damit die Kostenübernahme garantiert ist. Logo- (Sprach-) und Ergotherapien werden über die Krankenkassen finanziert, wenn ein entsprechendes Rezept vorliegt.

Die Tätigkeit von Beratungsstellen ist in der Regel kostenlos.

Folgende Therapien sind möglicherweis auch wirksame Ansätz, werden jedoch in den Behandlungsleitlinien der Fachgesellschaften nicht empfohlen, weil noch ungenügende oder widersprüchliche Ergebnisse vorliegen.

  • Neurofeedback: Hierbei lernt das Kind an einem Computer seine Hirnströme, die über ein EEG abgeleitet werden, zu beeinflussen. Die aktuelle Leitlinie empfiehlt diese Therapie jedoch nur mit großer Zurückhaltung, weil die wissenschaftlichen Untersuchungen bisher nur geringe Effekte zeigen. Vor allem sollte eine solche Behandlung nicht dazu führen, dass andere, möglicherweise effektivere Maßnahmen (Verhaltenstherapie, medikamentöse Therapie) nicht oder erst verzögert durchgeführt werden.
  • Nahrungsmittelergänzung: Schon lange besteht die Vermutung, dass die Ernährung zur Entstehung von ADHS beitragen kann. Bis vor kurzem zeigten sich jedoch in systematischen Untersuchungen keine deutlichen Effekte. In letzter Zeit wurden ungesättigte Fettsäuren (so genannte Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren) auf ihre Wirksamkeit bei Kindern mit Konzentrationsproblemen und Unruhe hin untersucht. In einigen Studien konnten keine eindeutigen Effekte nachgewiesen werden, in anderen wurden dagegen Effekte gefunden. Gegenwärtig kann noch keine allgemeine Empfehlung zur Nahrungsergänzung mit diesen Fettsäuren gegeben werden. Wenn eine Behandlung überhaupt wirksam werden soll, müsste sie über mindestens drei Monate hinweg durchgeführt werden, bevor die Effektivität beurteilt werden kann. Kinder, die sehr stark von der Symptomatik betroffen sind, sollten deshalb keine Nahrungsergänzungsmittel statt einer effektiven Therapie erhalten, da viel wertvolle Zeit verloren gehen würde.

Selbsthilfegruppen
Ein Zusammenschluss von Eltern betroffener Kinder in einer Selbsthilfegruppe kann eine wichtige Stütze sein. Mittlerweile haben sich solche Selbsthilfegruppen bundesweit etabliert. Gelegentlich werden allerdings in diesen Gruppen immer noch sehr einseitige Sichtweisen vertreten. Sie sollten bei all jenen Gruppen vorsichtig sein, die nur eine einzige Erklärung für die Entstehung von ADHS-typischen Problemen zulassen und dementsprechend auch nur einen Behandlungsansatz als den einzig richtigen verkünden. Sie finden im Anhang eine Liste der Adressen von Selbsthilfeorganisationen und von Selbsthilfekontaktstellen bei denen Sie sich nach entsprechenden Selbsthilfegruppen in Ihrer Region erkundigen können.Darüber hinaus erhalten Sie auch gezielte Hilfen bei regionalen ADHS-Netzen. Unter dem Bereich Therapie und ärztliche Versorgung haben wir Ihnen Kontakte für die Suche eines geeigneten Arztes oder Therapeuten zusammengestellt.

 

Gezielte Förderung schulischer Leistungen
Viele Kinder mit ADHS haben Leistungsprobleme in der Schule. Anhand von Intelligenztests und speziellen Schultests kann überprüft werden, ob die Kinder entsprechend ihrer Intelligenz beschult sind und ob sie in einzelnen Leistungsbereichen (z.B. Lesen und Rechtschreiben) besondere Schwierigkeiten haben. Wenn das Kind ensprechend seiner grundlegenden Leistungsfähigkeit beschult ist (also nicht grundsätzlich übrfordert ist),  können gezielte Förderungen hilfreich sein, beispielsweise in der Lese- und Rechtschreibfähigkeit. Solche Förderungen werden teilweise von den Schulen selbst durchgeführt, häufig sind jedoch ergänzende Förderungen sinnvoll. Diese werden von verschiedenen privaten Instituten angeboten, sie können auch über eine gezielte individuelle Nachhilfe erfolgen. Die Kosten für solche Förderungen werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Manchmal gibt es Möglichkeiten der Kostenübernahme durch die Jugendhilfe.

 

Hilfen für Familien
Das Jugendamt kann Hilfen für Familien und für Kinder bereitstellen, wenn die Familien insgesamt in der Erziehung überfordert oder durch andere Belastungen stark beeintärchtigt sind oder wenn das Kind sehr stark psychisch beeinträchtigt ist.

Eine Übersicht über Regionale ADHS-Netze sowie weitere Anlaufstellen finden Sie auf den Seiten des zentralen adhs-netzes.