FAQs - Symptomatik und Diagnostik

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Wie äußern sich die Symptome einer ADHS im schulischen Alltag?

Typischerweise lassen sich die Kernsymptome von ADHS im Unterricht gut beobachten. Den Betroffenen fällt es schwer, sich während des Unterrichts auf ihre Aufgaben zu konzentrieren, Anweisungen der Lehrer nehmen sie nicht wahr, sie ermüden schnell und  lassen sich von Mitschülerinnen und Mitschülern leicht ablenken (Unaufmerksamkeit). Sie stehen während des Unterrichtes mehrfach auf oder rutschen unruhig auf dem Stuhl hin und her, ständig fällt ihnen etwas zu Boden (Hyperaktivität). Sie rufen impulsiv in die Klasse, beginnen Aufgaben bevor diese vollständig erklärt sind (Impulsivität).

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Haben alle Schülerinnen und Schüler, die unaufmerksam, unruhig oder störend sind ADHS?

Nein! Die Verhaltensprobleme müssen deutlich stärker ausgeprägt sein, als sie üblicherweise bei Kindern dieser Klassenstufe auftreten und sie müssen relativ konstant über einen langen Zeitraum vorhanden sein. Nach epidemiologischen Studien müssten im Durchschnitt 1-2 SchülerInnen pro Klasse die Kriterien für eine solche Diagnose erfüllen, wobei in weiterführenden Schulen eher weniger SchülerInnen die Kriterien voll erfüllen dürften. Zwischen völlig unauffälligem Verhalten und sehr starker Problematik gibt es alle möglichen Ausprägungsformen. Die Grenzen zur starken Auffälligkeit sind daher schwer zu ziehen.

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Treten ADHS-Symptome immer in der Schule auf?

Da der Unterricht die Situation im Leben eines Kindes oder Jugendlichen ist, in der Aufmerksamkeit, Ausdauer und Reflexivität am meisten gefordert werden, müsste die Problematik auf jeden Fall im Unterricht auftreten. Wenn solche Auffälligkeiten beispielsweise nur zu Hause und nicht im Unterricht zu beobachten sind, dann liegt meistens keine ADHS vor. Insbesondere bei älteren Schülern kann es aber sein, dass die Probleme hauptsächlich im Unterricht und kaum in der Familie oder während der Freizeit zu beobachten sind.

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Treten ADHS-Symptome in allen Schulstunden gleichermaßen auf?

Nein, nicht notwendigerweise. Die Problematik kann häufiger oder stärker in solchen Schulstunden auftreten, die Konzentration und Ausdauer besonders fordern oder die vom Kind oder Jugendlichen als besonders aversiv („langweilig“) erlebt werden. Sie kann sich verstärken, wenn zuvor schon mehrere anstrengende Schulstunden stattgefunden haben, wenn der Unterricht weniger äußere Struktur aufweist (z.B. in Kunst oder Sport) oder wenn die Beziehung zwischen Schüler und Pädagoge/ Pädagogin besonders belastet ist.

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Woran erkenne ich SchülerInnen, die an einer ADHS vom primär unaufmerksamen Typus leiden?

Bei Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsstörungen ohne ausgeprägte Hyperaktivität oder Impulsivität sind diese begleitenden Auffälligkeiten entweder deutlich schwächer ausgeprägt (sie weisen also nur leichte Unruhe und impulsive Tendenzen auf)  oder sie zeigen zusätzlich eher hypoaktives, verlangsamtes Verhalten. Sie werden häufig als TräumerInnen bezeichnet, d.h. sie bekommen oft wichtige Unterrichtsinhalte nicht mit, wirken wie abwesend, teilweise regelrecht apathisch. Diese Form der ADHS ist  besonders schwer zu diagnostizieren, vor allem deshalb, weil sie von Schülern und Schülerinnen mit genereller schulischer Überforderung, aber auch von jenen mit Ängsten oder Depressionen unterschieden werden muss.

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Welche Rolle spielt die Lehrerin oder der Lehrer bei der Diagnostik von ADHS?

LehrerInnen sind sehr wichtig bei der Diagnosestellung von ADHS. Ohne eine Information zum Verhalten des Kindes oder Jugendlichen in der Schule kann die Diagnose gar nicht gestellt werden, weil Auffälligkeiten im Unterricht Voraussetzungen für diese Diagnose sind. Die Informationen von Eltern über das Verhalten des Kindes in der Schule sind meist nur begrenzt zuverlässig. Daher wird in den diagnostischen Leitlinien dringend empfohlen, Informationen in schriftlicher oder mündlicher Form direkt von der Schule einzuholen.

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Ist ADHS eine Modediagnose?

Nein, ADHS hat es auch früher gegeben. Allerdings ist die Diagnose inzwischen, auch durch die klare Formulierung von Kriterien für eine solche Diagnose, in der Öffentlichkeit viel bekannter und wird daher häufiger gestellt. Zudem können auch Veränderungen in der Gesellschaft und vor allem in der Schule dazu beigetragen haben, dass die Häufigkeit dieser Problematik zugenommen hat. Allerdings gibt es durchaus Tendenzen in einzelnen Fällen diese Diagnose zu schnell zu vergeben und alternative Erklärungen für die Verhaltensauffälligkeiten nicht zu erkennen – zum Beispiel schulische Überforderung (hierzu mehr unter Fakten und Mythen).