FAQs - Interventionen

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Was unternehme ich, wenn ich bei einem Schüler eine ADHS vermute?

Wenn Sie im Unterricht Verhaltensauffälligkeiten von Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit beobachten, sollten Sie sich mit Kolleginnen und Kollegen besprechen, die das betreffende Kind kennen und prüfen, ob Sie ebenfalls diese Auffälligkeiten beobachtet haben. Mit Hilfe von Verhaltensbeobachtungen sowie durch interkollegialen Austausch können bezüglich Stärken und Schwächen der Schüler im Arbeits-, Leistungs- und Sozialverhalten deren individuelle Entwicklung im Verlauf verfolgt und Förderkonzepte entwickelt werden. Elterngespräche sollten zeitnah und regelmäßig erfolgen, um Anhaltspunkte zu erhalten, welche Ressourcen in der Familie vorhanden sind und welcher Bedarf an Unterstützung jeweils vorliegt. Die beobachteten Verhaltensweisen sollten im Elterngespräch konkret beschrieben und es sollte besprochen werden, ob diese oder andere Auffälligkeiten in der Familie und/oder Freizeit beobachtet wurden. In den Elterngesprächen könnte dann z.B. auch die Möglichkeit einer diagnostischen Abklärung der Verhaltensauffälligkeiten angesprochen werden.

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Wie spreche ich Eltern an, wenn ich bei einem Kind einen Verdacht auf ADHS habe?

Bedenken Sie, dass viele Eltern das Thematisieren von Problemen ihres Kindes als bedrohlich erleben und dazu neigen ihr Kind fast reflexartig zu verteidigen. Eröffnen Sie daher das Gespräch zunächst möglichst mit etwas Positivem, z.B. damit, dass sich das Kind in manchen Situationen sehr bemüht, dass es viele Ideen hat oder dass es seine Gefühle offen zeigen kann. Sprechen Sie die gemeinsame Verantwortung für das Kind an und machen Sie deutlich, dass sie „in einem Boot sitzen“ und es darum geht, gemeinsam dem Kind zu helfen. Beschreiben Sie die Verhaltensprobleme des Kindes möglichst konkret, um zunächst zu überprüfen, ob die Eltern ähnliche Verhaltensprobleme beobachtet haben. Erwarten Sie keine volle Übereinstimmung zwischen Ihren Einschätzungen des Kindes und jenen der Eltern, da sich Kinder in verschiedenen Situationen sehr unterschiedlich verhalten können. Überlegen Sie mit den Eltern, was die nächsten gemeinsamen Schritte sind.

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Was kann ich als Lehrer im Unterricht tun, um die Schülerin oder den Schüler zu unterstützen?

Als LehrerIn, als ErzieherIn oder auch als BetreuerIn in anderen Kontexten haben Sie viele Möglichkeiten betroffene Kinder und Jugendliche zu unterstützen und zur Verminderung der Verhaltensprobleme beizutragen. Gehen Sie grundsätzlich davon aus, dass es Schülerinne und Schülern mit ADHS wesentlich schwerer als anderen fällt, ein konzentriertes, reflexives und ausdauerndes Arbeitsverhalten zu zeigen und dass sie deshalb besondere Unterstützung und Anerkennung brauchen, wenn sie sich darum bemühen. Sie sollten auch bedenken, dass die Fähigkeiten zur Selbststeuerung bei diesen Kindern eingeschränkt sind und dass sie deshalb ein höheres (und kein geringeres) Maß an Fremdsteuerung brauchen. Dies muss allerdings mehr durch klare Regeln und äußere Anreize als durch negative Konsequenzen erreicht werden. Angemessene negative Konsequenzen können dann sehr hilfreich sein, wenn sie nicht die positiven Konsequenzen übersteigen. Achten Sie darauf, eine positive Beziehung zum Kind aufrecht zu erhalten. Dies stellt häufig eine erhebliche pädagogische Herausforderung dar.

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Brauchen SchülerInnen mit ADHS nicht einfach mehr Freiraum?

Nein, mit mehr Freiraum alleine ist es meist nicht getan. Natürlich hilft den Kindern ein interessanter und auch abwechslungsreicher Unterricht. Es ist gut, wenn diese ihren Bewegungsdrang durch kurze Aktivitäten kanalisieren können. Sehr große Freiräume können die Kinder jedoch meist nicht nutzen, weil es ihnen an Selbststrukturierungsmöglichkeiten fehlt und sie von vielen Reizen abgelenkt werden.

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Soll ich die Problematik der Schülerin oder des Schülers mit der Klasse besprechen?

Meist ist es hilfreich die Problematik anzusprechen, wenn es Ihnen gelingt dies in einer Form zu tun, die das Kind nicht bloßstellt. In der Regel sind MitschülerInnen mit den Verhaltensproblemen desjenigen gut vertraut – sie wissen, dass die/ der Betreffende der Klassenclown ist, dass sie/er immer eine gesonderte Aufforderung braucht, häufig die Hefte nicht dabei hat usw. Wenn Sie dann mit der Klasse besprechen können, dass diese Schwierigkeiten darauf zurückzuführen sind, dass dises Kind sich viel mehr als andere anstrengen muss, um bestimmte Verhaltensweisen zu zeigen, eben weil er Konzentrationsschwierigkeiten hat, dann ist dies eine gute Grundlage, um für das betroffene Kind spezifische Hilfen einzuführen und die Klasse um Unterstützung zu bitten.

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Gehört eine Schülerin oder ein Schüler mit ADHS in die Regelschule?

Ja, Kinder mit ADHS sind prinzipiell in der Regelschule beschulbar. Durch gezielte pädagogische Maßnahmen in der Schule und durch therapeutische Unterstützung lässt sich bei den meisten Betroffenen die Problematik soweit vermindern, dass ein Besuch der Regelschule nicht gefährdet ist. Einige SchülerInnen, insbesondere bei massiven begleitenden Störungen (z.B. ausgeprägten Störungen des Sozialverhaltens, Lernschwächen) benötigen jedoch auch sonderpädagogische Maßnahmen innerhalb der Regelschule oder auch in Förderschulen.

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Welche Rolle spielt der Lehrer im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzeptes?

Pädagoginnen und Pädagogen spielen eine zentrale Rolle bei der Lösung der Probleme, da sie das Kind tagtäglich in den für Kinder schwierigsten Situationen gegenüberstehen. Schon bei der diagnostischen Abklärung sind genaue Informationen von Pädagoginnen und Pädagogen unverzichtbar. Um die Verhaltensprobleme des Kindes in der Schule, im Kindergarten oder in der Betreuung zu vermindern sind psychologisch-pädagogische Maßnahmen vor Ort besonders wichtig. Eine enge Zusammenarbeit mit der behandelnden Therapeutin oder dem Therapeuten ist daher eine absolute Voraussetzung für eine effektive Hilfe.

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Ist eine medikamentöse Therapie immer notwendig?

Nein, viele Kinder profitieren von pädagogischen und psychologischen Hilfen so sehr, dass eine medikamentöse Therapie nicht nötig ist. Bei Kindern mit sehr starker Ausprägung der Symptomatik und wenn andere Hilfen nicht hinreichend erfolgreich waren, ist jedoch eine medikamentöse Therapie  in der Regel unverzichtbar. Eine kategorische Ablehnung medikamentöser  Therapie lässt sich nach dem gegenwärtigen Stand unseres Wissens nicht begründen. Die Wirksamkeit der medikamentösen Therapie muss aber in jedem Einzelfall geprüft werden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt/Ärztin, TherapeutIn, Eltern und Pädagogen ist daher unverzichtbar.

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Welche Rolle können Pädagoginnen und Pädagogen bei der medikamentösen Therapie eines Kindes spielen?

Eine optimale medikamentöse Therapie setzt eine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt, TherapeutIn, Eltern und Lehrern voraus. Da Pädagogen das Kind kontinuierlich in den Situationen beobachten können, die dem Kind Schwierigkeiten bereiten, können sie auch sehr gut die Wirkungen und Nebenwirkungen des Medikamentes auf der Ebene des Verhaltens und der Leistungen beurteilen. Durch eine kontinuierliche Rückmeldung an den Arzt, v.a. während der ersten Wochen der Verabreichung ist eine optimale Dosierung der Medikation möglich. Häufig werden in der Zusammenarbeit Fragebögen eingesetzt, die eine möglichst genaue Rückmeldung erleichtern können. In manchen Fällen kann es nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt und den Eltern notwenig sein,  dass Pädagogen das Kind während  der Schulzeit, Kindergartenzeit oder anderer Betreuungszeiten daran erinnern diese Medikamente in der besprochenen Weise einzunehmen.

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Welche Herausforderungen ergeben sich im Bereich der Ganztagsschulen?

In den Ganztagsschulen wachsen die erzieherischen Anforderungen an das gesamte Schulpersonal, aber auch die Möglichkeiten, Kindern mit ADHS optimal zu helfen. Neben dem Leistungsverhalten tritt in Ganztagsschulen auch das Sozial- und Freizeitverhalten noch stärker in den Vordergrund. Durch eine sinnvolle Freizeitgestaltung sowie durch klare Regeln, Strukturen, Abläufe und eine warme, konsequente, ressourcenorientierte Beziehungsgestaltung können Kompensationsmöglichkeiten gefördert werden. Die Gestaltung der Freizeit neben der Hausaufgabenbewältigung stellt eine weitere Herausforderung für das pädagogische Personal dar, die häufig den Spagat zwischen den Erwartungen und Anforderungen von Schule und Elternhaus leisten müssen.

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