Wie werden Medikamente im Einzelfall getestet und optimal eingestellt?

Da nicht alle Kinder von der medikamentösen Therapie profitieren und da einige Kinder unter der medikamentösen Behandlung unerwünschte Nebenwirkungen entwickeln, ist eine genaue Überprüfung der Wirksamkeit  und möglicher Nebenwirkungen in einem kontrollierten Behandlungsversuch unbedingt erforderlich. Darüber hinaus sind die Reaktionen der Betroffenen sehr unterschiedlich. Manche Kinder benötigen lediglich eine sehr niedrige Dosierung, andere wiederum benötigen dagegen eine höhere. Daher muss jedes Kind auf seine individuelle Dosis eingestellt werden.

Um die Wirksamkeit im Einzellfall systematisch prüfen zu können, ist eine enge Zusammenarbeit des Arztes mit dem Patienten sowie mit seinen Eltern und Bezugspersonen notwendig. Eine medikamentöse Dauertherapie wird nur dann durchgeführt, wenn sich durch die Behandlung die Symptome im Alltag deutlich vermindern. Deshalb sind die Beurteilungen der Bezugspersonen besonders wichtig. Diese erleben das Kind in seinem Alltag, können die Veränderungen im familiären und schulischen oder institutionellen Rahmen beobachten und darüber informieren, ob sich die ADHS-Symptome unter der medikamentösen Behandlung vermindern. Häufig werden dazu kurze Fragebögen eingesetzt. Mitunter ist es sinnvoll, dass Pädagogen nicht genau wissen, wann welche Medikation gegeben wird, dass sie also das Verhalten des Kindes „blind“ beurteilen. So lässt sich sicherstellen, dass die Beurteilungen nicht zu sehr durch Erwartungshaltungen beeinflusst werden.

Da sich die Wirkung bei den Psychostimulanzien schon mit der ersten Gabe einstellen kann, ist die optimale Dosiseinstellung innerhalb weniger Wochen möglich. Bei Atomoxetin sind mindestens sechs bis acht Wochen notwendig, da sich die Wirkung erst nach dieser Zeit voll entfaltet. 

Hat sich die medikamentöse Behandlung als wirkungsvoll erwiesen, dann sollte die Behandlung zunächst für einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten als Dauertherapie durchgeführt werden. In dieser Zeit sind regelmäßige Kontrollen und Beratungsgespräche notwendig. Danach sollte die Notwendigkeit zur Weiterführung der Behandlung in einem Auslassversuch überprüft werden.