Welche Wirkungen haben die Medikamente und wie wirksam sind sie?

Die Wirkung der Medikamente, die Methylphenidat oder Dexamphetamin enthalten, tritt etwa 30 bis 45 Minuten nach Einnahme der Tabletten oder Kapseln ein. Bei den Medikamenten mit kurzer Wirkdauer bleibt sie dann etwa zwei bis vier Stunden auf maximalem Niveau. Nach drei bis sieben Stunden ist eine deutliche Verminderung der Wirkung zu beobachten. Bei manchen Kindern bleibt die Wirkung bei einer einmaligen Einnahme der Medikamente mit kurzer Wirkdauer am Morgen über den Schulvormittag hinweg erhalten. Bei älteren Kindern oder bei einer ausgeprägten ADHS-Symptomatik, kann eine zweite Einnahme am späten Vormittag hilfreich sein. 

Anstatt einer mehrfachen Gabe von Medikamenten mit kurzer Wirkdauer kann auch ein Retardmedikament gegeben werden. Die längere Wirkdauer wird erzielt, indem ein Teil des Wirkstoffes in den Tabletten oder Kapseln im Körper verzögert freigesetzt wird. Die verschiedenen Medikamente mit längerer Wirkdauer unterscheiden sich in der Art der Freisetzung. Deshalb muss der Arzt im Einzelfall überprüfen, welches Medikament mit verzögerter Freisetzung er verschreibt.

Psychostimulanzien werden auf einem speziellen Rezept verordnet, um den Missbrauch dieser Medikamente auszuschließen. Die Medikamente machen aber nicht körperlich und psychisch abhängig. 

Die Effekte von Methylphenidat und Dexamphetamin sind bei Kindern ab dem Alter von sechs Jahren sehr gut untersucht worden. Sie führen bei mindestens 70% der Kinder und Jugendlichen mit ausgeprägter ADHS zu einer deutlichen Verminderung der Auffälligkeiten. Durch die Medikamente kann sich die Konzentrationsfähigkeit verbessern und das hyperaktive, störende, unangemessene und impulsive Verhalten des Kindes kann sich vermindern.

Die guten Ergebnisse wurden in wissenschaftlichen Studien bei Kindern mit ausgeprägter ADHS erzielt, die ein hohes Maß an motorischer Unruhe, an Aufmerksamkeitsschwäche oder an Impulsivität zeigen. Sie sind nicht notwendigerweise für die große Gruppe der Kinder mit leichteren ADHS-Auffälligkeiten gültig. Diese Kinder benötigen in der Regel auch keine medikamentöse Behandlung.

Allerdings hält die Wirkung der Medikamente in der Regel nur solange an, wie das Medikament gegeben wird. Deshalb ist in der Regel eine mehrjährige medikamentöse Behandlung notwendig.

Bei Atomoxetin (Strattera)  tritt die volle Wirkung erst nach etwa sechs Wochen ein. Auch bei diesem Medikament muss schrittweise aufdosiert werden. Seine Wirksamkeit entfaltet Atomoxetin meist über den ganzen Tag. Es muss nicht auf einem besonderen Rezept verordnet werden, weil keine Missbrauchsgefahr besteht. Auch bei  Atomoxetin ist eine Dauertherapie mit regelmäßigen Auslassversuchen notwendig.

Die deutschen Leitlinien empfehlen im Allgemeinen Psychostimulanzien (in der Regel Methyphenidat) als Mittel der ersten Wahl; aber auch Atomoxetin kann unter bestimmten Bedingungen als Mittel der ersten Wahl eingesetzt werden. Laut Fachinformationen können Dexamphetamin-Präparate dann eingesetzt werden, wenn eine Methylphenidat-Behandlung (bei Attentin auch zusätzlich eine Atomoxetin-Behandlung) nicht hinreichend wirkungsvoll war.