Unter welchen Bedingungen wird eine medikamentöse Therapie empfohlen?

Die medikamentöse Therapie von Kindern mit ADHS kann eine wichtige Ergänzung zu anderen Behandlungsformen darstellen; manchmal ist sie sogar eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass andere Behandlungsformen erfolgreich eingesetzt werden können und manche Kinder kommen mit den Medikamenten so gut zurecht, dass neben einer regelmäßigen Kontrolle und Beratung der Eltern keine weiteren intensiven Maßnahmen notwendig sind.

Unter folgenden Bedingungen empfehlen die Leitlinien der Fachgesellschaften einen medikamentösen Behandlungsversuch bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS ab dem Alter von sechs Jahren nach einer umfassenden Beratung:

  • bei einer stark ausgeprägten ADHS-Symptomatik, welche die schulische Leistungsfähigkeit oder die Freizeitaktivitäten des Kindes oder Jugendlichen oder das Zusammenleben in der Schule, in der Familie oder mit Freunden erheblich beeinträchtigt;
  • wenn im Rahmen einer Verhaltenstherapie die ADHS-Symptomatik sich nicht hinreichend verbessern lässt und beeinträchtigende ADHS-Symptome weiterhin bestehen.

 

Bei Patienten mit weniger stark ausgeprägter Symptomatik wird dagegen zunächst eine Verhaltenstherapie empfohlen. Allerdings ist die Versorgung mit Verhaltenstherapie in vielen Regionen nicht hinreichend gewährleistet.

Zu Beginn einer medikamentösen Therapie muss überprüft werden, ob beim individuellen Patienten die medikamentöse Therapie die gewünschten Besserungen zeigt und welches Medikament in welcher Dosierung für diesen Patienten optimal ist. Außerdem ist auf Nebenwirkungen zu achten.