Differentialdiagnostik

Die Symptome von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität können auch bei anderen psychischen Störungen oder auch bei körperlichen Erkrankungen auftreten. Deshalb muss im Rahmen der Differenzialdiagnostik überprüft werden, ob sich die Symptomatik besser durch eine andere Störung oder Erkrankung erklären lässt.

Die häufigsten Fragen, die der Untersucher dabei beachten muss, sind:

  • Werden die Symptome durch Medikamente oder Drogen ausgelöst?

Die regelmäßige Einnahme einiger Medikamente, wie beispielsweise Antikonvulsiva (Antiepileptika) oder Antihistaminika (Antiallergika), können als Nebenwirkungen Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität oder auch Impulsivität verursachen. Bei Jugendlichen können die ADHS-typischen Symptome auch durch Drogenkonsum ausgelöst werden.  Allerdings nehmen Jugendliche mit ADHS auch häufiger Drogen zu sich.

  • Lassen sich die Symptome auf schulische Über- oder Unterforderung zurückführen?

Überforderungen in der Schule können ebenfalls Symptome von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität oder Impulsivität verursachen. Zur Abklärung von schulischen Überforderungen ist eine enge Zusammenarbeit mit der Schule unbedingt erforderlich. Eine Überforderung kann aufgrund nicht hinreichender allgemeiner Intelligenz oder aufgrund spezifischer Leistungsprobleme in der Schule auftreten. Deshalb ist bei allen Schülern, die Schulleistungsprobleme haben, eine ausführliche Intelligenzdiagnostik erforderlich. Liegen zudem Hinweise auf spezifische schulische Defizite vor, dann muss eine entsprechende Teilleistungsdiagnostik (z.B. der Lesefähigkeit, der Rechenfähigkeit usw.) durchgeführt werden. Eine differenzierte Beschreibung der Schulleistungen stellt eine wichtige diagnostische Hilfe dar.

Bei Kindern, die ADHS-Symptome aufgrund von Überforderung zeigen, vermindern sich diese, wenn das Kind angemessen beschult wird. Allerdings haben Kinder mit gesicherter ADHS häufig auch zusätzlich Schulleistungsprobleme, teilweise aufgrund der ADHS-Symptomatik, teilweise auch, weil sie gehäuft beispielsweise Lese- / Rechtschreibstörungen aufweisen.

In eher wenigen Fällen können die Symptome einer ADHS auch durch schulische Unterforderung verursacht werden. Kinder mit hoher oder sehr hoher Begabung können sich im Unterricht langweilen und zeigen deshalb entsprechende Symptome. Auch hier kommt es zu einem Rückgang der Symptomatik, wenn das Kind angemessen beschult, d.h. mehr gefordert  wird. Es gibt jedoch auch Kinder die sowohl hochbegabt sind als auch ADHS haben und bei denen eine angemessene Beschulung nicht automatisch zu einer Verminderung der ADHS führt.

  • Sind die Symptome besser erklärbar durch eine andere körperliche Erkrankung oder psychische Störung?

Bei eher wenigen körperlicher Erkrankungen (z.B. Epilepsie) aber mehreren psychischen Störungen (z.B. Depressionen, Angststörungen oder aggressive Verhaltensstörungen) können davon Betroffene ADHS-ähnliche Symptome zeigen. ADHS-Symptome können auch Folge von familiären oder anderen Belastungen sein. Sie stehen dann im engen zeitlichen Zusammenhang mit diesen Belastungen. Bei Kindern und Jugendlichen, bei denen ADHS-Symptome erst deutlich nach der Einschulung auftreten, muss besonders genau auf andere psychischen Störungen als Ursache dieser Symptome untersucht werden. Allerdings können diese psychischen Störungen, wie auch die körperlichen Erkrankungen, zusätzlich zu einer ADHS (als koexistierende Störung) vorhanden sein.