3. Wie wirken die Medikamente?

Die Wirkung der Medikamente, die Methylphenidat enthalten, tritt etwa 30 bis 45 Minuten nach Einnahme der Tabletten oder Kapseln ein. Bei den Medikamenten mit kurzer Wirkdauer bleibt sie dann zwei bis vier Stunden auf maximalem Niveau. Nach drei bis sieben Stunden ist eine deutliche Verminderung der Wirkung zu beobachten. Bei vielen Leuten bleibt die Wirkung bei einer einmaligen Einnahme der Medikamente mit kurzer Wirkdauer am Morgen über den Vormittag hinweg erhalten. Bei Jugendlichen, kann es bei einer starken ADHS-Problematik oder wegen der langen Schuldauer oder des 8-stündigen Arbeitstages in der Ausbildung Sinn machen, dass sie am späten Vormittag oder auch am Nachmittag noch einmal ein Medikament einnehmen.

Um nicht mehrmals am Tag ein Medikament einnehmen zu müssen, kann es auch sinnvoll sein, ein  Medikament mit einer langen Wirkdauer zu nutzen. Bei diesen Medikamenten wird der Wirkstoff in den Tabletten oder Kapseln im Körper verzögert freigesetzt. Die verschiedenen Medikamente mit längerer Wirkdauer unterscheiden sich in der Art der Freisetzung. Deshalb muss hier der Arzt im Einzelfall überprüfen, welches Medikament geeignet ist.

Psychostimulanzien werden auf einem speziellen Rezept verordnet, um den Missbrauch dieser Medikamente auszuschließen. Die Medikamente machen aber nicht körperlich abhängig, wenn man sie normal einnimmt. 

Bei mindestens 70% der Kinder und Jugendlichen mit ausgeprägter ADHS führen diese Medikamente zu einer deutlichen Verminderung der ADHS-Problematik.

Allerdings hält die Wirkung der Medikamente in der Regel nur solange an, wie das Medikament gegeben wird. Deshalb ist in der Regel eine mehrjährige medikamentöse Behandlung (Dauertherapie) notwendig.

Bei Atomoxetin (Strattera®)  tritt die Wirkung nicht am ersten Tag ein, sondern meist erst nach etwa sechs Wochen. Bei diesem Medikament muss in einem Behandlungsversuch schrittweise aufdosiert werden. Seine Wirksamkeit entfaltet Atomoxetin meist über den ganzen Tag. Atomoxetin muss nicht auf einem besonderen Rezept verordnet werden, weil keine Missbrauchsgefahr besteht. Auch bei  Atomoxetin ist eine Dauertherapie mit regelmäßigen Auslassversuchen notwendig.