Zusätzliche Kriterien

Neben den einzelnen Symptomen müssen für eine Diagnose von ADHS folgende Kriterien zusätzlich erfüllt sein:

1. Beginn der Störung vor dem 7. Lebensjahr: Bei den meisten Kindern können die Symptome spätestens im Kindergartenalter festgestellt werden. Bei manchen Kindern fallen diese Symptome erst mit der Einschulung auf. Meist können jedoch in diesen Fällen Vorläufer im Kindergartenalter festgestellt werden. Völlig untypisch ist es jedoch, wenn die Symptome erst nach einigen Schuljahren auftreten. In solchen Fällen muss der Untersucher alternative Erklärungen in Betracht ziehen (Differenzialdiagnose). Mitunter können jedoch auch weniger ausgeprägte Störungen erst mit höheren schulischen Anforderungen auftreten. Allerdings muss in solchen Fällen ausgeschlossen werden, dass diese Symptome durch eine generelle schulische Überforderung oder eine Überforderung in einem spezifischen Bereich erklärbar sind.

2. Ausprägung der Störung in mehreren Lebensbereichen: Üblicherweise fallen die Symptome sowohl im Kindergarten oder in der Schule als auch in der Familie und im Freizeitbereich auf. Bei Kindern, die weniger stark von der Störung betroffen sind, kann es sein, dass die Probleme hauptsächlich im Kindergarten oder in der Schule auftreten. Auch deshalb sind die Informationen von Pädagogen von besonderer Bedeutung.

3. Dauer der Störung: Die Problematik muss mindestens sechs Monate vorhanden sein. Damit sollen kurzfristige Auffälligkeiten z.B. aufgrund von vorübergehenden Belastungen ausgeschlossen werden.

4. Funktionsbeeinträchtigung: Die Kinder oder Jugendlichen müssen durch die Symptome beispielsweise in der Familie, in der Schule oder im Freizeitbereich beeinträchtigt sein. Dieses Kriterium ist besonders wichtig, weil damit ausgeschlossen werden soll, dass eine Diagnose bei Kindern mit erhöhter Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität oder Impulsivität gestellt wird, die aber dadurch letztendlich nicht beeinträchtigt sind.