Erkennen Sie den Teufelskreis!

In der folgenden Grafik ist der Teufelskreis dargestellt, in den typischerweise Familien mit Kindern geraten, die ADHS-Symptome haben. Aber auch im Kindergarten und in der Schule passiert das Gleiche. Auch ErzieherInnen und LehrerInnen geraten häufig mit diesen Kindern in einen solchen Teufelskreis.

 

Ablauf des Teufelskreises in Phasen:

1.    Die Eltern stellen dem Kind eine Aufforderung. In ganz vielen alltäglichen Situationen stellen alle Eltern ihren Kindern Aufforderungen. Das Kind kann eine solche Aufforderung der Eltern befolgen oder auch nicht. Wenn das Kind tut, was die Eltern gesagt haben, dann achten die meisten Eltern nicht weiter auf ihr Kind, sondern machen etwas anderes, wie Essen kochen, Bügeln oder auch Zeitung lesen. Kinder mit ADHS reagieren schon alleine aufgrund ihrer Aufmerksamkeitsprobleme und Impulsivität häufig nicht auf solche Aufforderungen und dann beginnt der Teufelskreis.

2.    Die Eltern wiederholen ihre Aufforderung. Die Eltern wiederholen zunächst ihre Aufforderung; sie werden dabei immer ärgerlicher und die Stimme wird immer lauter und gereizter. Manchmal tun dann Kinder tatsächlich das,  was die Eltern gesagt haben. In diesem Fall wenden sich die Eltern - meist schon recht ärgerlich - wieder anderen Tätigkeiten zu, oft mit Worten wie: „Warum nicht gleich so?“ Tut das Kind immer noch nicht, was die Eltern sagen, dann geht der Teufelskreis weiter.

3.    Die Eltern drohen. Meist gehen die Eltern dann dazu über, ihren Kindern mit Strafen zu drohen. Weil die Eltern zu diesem Zeitpunkt schon sehr ärgerlich sind, werden diese Drohungen oft sehr impulsiv ausgesprochen und sind nicht gut überlegt. Auch diese Drohungen können mehrfach wiederholt werden und immer heftiger ausfallen. Manchmal kommt das Kind irgendwann dann doch der Aufforderung der Eltern nach und die Eltern verlassen dann meist wütend das Zimmer, um einer anderen Tätigkeit nachzugehen. Tut das Kind immer noch nicht, was die Eltern gesagt haben, dann geht der Teufelskreis weiter.

4.    Die Eltern sind ratlos. Meist wissen die Eltern dann an dieser Stelle nicht mehr weiter! Weder eine freundliche noch eine ärgerliche Aufforderung, noch Androhungen von Strafen bewegen das Kind dazu, das zu tun, was die Eltern wollen. Jetzt haben die Eltern zwei Möglichkeiten zu reagieren:

  • Entweder sie geben nach und fordern von ihrem Kind nicht mehr das, was sie eigentlich wollten - das Kinderzimmer bleibt unaufgeräumt, die liegengebliebenen Schuhe trägt die Mutter selbst weg oder das Kind kommt trotz dreckiger Finger zum Mittagessen. 
  • Im anderen Fall reagieren die Eltern aggressiv auf das Kind; das Kind bekommt von den Eltern eine Ohrfeige oder auch eine Tracht Prügel oder wird mit Worten sehr abgewertet!

 5.    Welche Erfahrungen macht das Kind im Teufelskreis? In diesem Teufelskreis macht das Kind vielfältige ungünstige Erfahrungen, die eher dazu beitragen, dass die Verhaltensprobleme weiter zunehmen.

  • Geben die Eltern am Ende des Teufelskreises nach, macht das Kind die Erfahrung, dass es die „Nörgeleien“ der Eltern nur lange genug aushalten muss, um unangenehmen Aufforderungen aus dem Wege zu gehen. Es erfährt, dass die Aufforderungen und schließlich auch Drohungen der Eltern häufig nicht ernst zu nehmen sind. Bei der nächsten Aufforderung der Eltern wird das Kind noch eher dazu tendieren, nicht auf das zu reagieren, was die Eltern sagen und immer unruhiger, unaufmerksamer und impulsiver werden. Die Eltern erziehen ihr Kind also ohne es zu wollen dazu, immer häufiger „nein“ zu sagen und immer stärkere ADHS-Symptome zu entwickeln!
  • Reagieren die Eltern am Ende aggressiv, lernt das Kind, wie man sich zumindest als körperlich Stärkerer durchsetzen kann. Die Eltern bieten ihm ein aggressives Modell! Das Kind bekommt vorgelebt, dass gutes Zureden und auch Drohungen oft nichts nutzen, sondern letztlich nur der körperlich Stärkere gewinnt! Dies wird vielleicht dazu führen, dass das Kind das nächste Mal (aus Angst) der Aufforderung nachkommt, aber außerhalb der Familie oder kleineren Geschwistern gegenüber wird es seine Erfahrung anwenden, dass der Stärkere siegt und die Wahrscheinlichkeit zu aggressivem Verhalten steigt!
  • Auch wenn das Kind zu irgendeinem Zeitpunkt in dem Teufelskreis schließlich doch das tut, was die Eltern gesagt haben, macht es häufig ungünstige Erfahrungen. Die Eltern wenden sich dann meist den liegengebliebenen Tätigkeiten zu. Dies ist sehr verständlich, weil diese Kinder kosten oft soviel Kraft, Zeit und Nerven, dass die Eltern froh sind, wenn sie endlich das tun können, was sie eigentlich die ganze Zeit schon vor hatten. Das Kind erlebt, dass sein angemessenes oder weniger problematisches Verhalten gar nicht weiter beachtet wird und die mangelnde Aufmerksamkeit wird dazu führen, dass das Kind in Zukunft eher seltener das tut, was die Eltern sagen. Außerdem führt dies dazu, dass Eltern und Kind schließlich fast nur noch negativ - ermahnend, schimpfend, schreiend, drohend, weinend - miteinander umgehen und positive Erfahrungen immer mehr in den Hintergrund treten. Eltern sagen dann oft, dass sie mit Ihrem Kind nur noch schimpfen müssen und die Kinder erleben ihre Eltern nur noch als permanente Nörgler.